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Vor vielen Jahren ist Nikolaus in dem Land,
das heute Türkei heißt, geboren.
Er war sehr reich. Eines Tages hört er durch
das offene Fenster Stimmen von Menschen,
die jammern und klagen. Nikolaus springt auf
und eilt in den Garten. Dort hört er den Mann
mit zitternder Stimme reden. »Ihr lieben
Töchter«, sagte er, »ich wäre froh, wenn ihr
heiraten könntet.
Aber ich bin arm. Ich habe kein Geld, um
euch dafür die Tücher und Kästen, die Krüge
und Teller zu kaufen. Ich muss euch
wegschicken, damit ihr bei fremden Herren
Geld verdienen könnt«.
Durch eine Ritze in der Mauer sieht Nikolaus
den Nachbarn und seine Töchter. Nikolaus
weiß: Sie haben Angst davor, in einer fremden
Stadt bei fremden Herren als Dienerinnen arbeiten
zu müssen. Nikolaus eilt zurück in sein Haus.
Er will dem Nachbarn und seinen Töchtern helfen.
Er holt viele Goldstücke aus der Schatztruhe in seinem
Keller, bindet sie in einem Tuch zusammen und wirft
es in das offene Fenster des Nachbarhauses.
Morgens findet der Nachbar das Gold. Er wundert sich
und ist voller Freude. Jetzt wird das Hochzeitsfest für
die älteste Tochter vorbereitet. Später wirft Nikolaus einen
zweiten Goldsack in das Nachbarhaus. Der Nachbar wundert
sich noch mehr. »Ich will herausfinden, wer uns so beschenkt,
« sagt er. Doch er ist glücklich. Auch die zweite Tochter kann
jetzt heiraten. Wenige Tage darauf wirft Nikolaus einen weiteren
Goldsack ins Nachbarhaus. Doch heute wacht der Nachbar vom
Aufprall des Geldes auf. Sofort springt er auf und schaut aus dem
Fenster und entdeckt im Dunkeln eine Gestalt. Er läuft ihr nach.
Er klettert sogar über die Mauer. »Bleib stehen!«, ruft er.
Und er packt Nikolaus am Ärmel. Im Schein der Laterne erkennt er ihn.
»Du bist der gute Mann, der uns so beschenkt hat!«, ruft er.

Er fällt vor Nikolaus auf die Knie und will seine Füße küssen.
Doch Nikolaus schüttelt ihn ab und streckt ihm seine Hände
entgegen. »Sag niemandem, wer dir geholfen hat«, bittet er,
»das soll ein Geheimnis bleiben«.

Einige Jahre später reist Nikolaus in die Stadt Myra. Sie liegt
wie seine Heimatstadt in der Türkei. Sehr früh geht er dort
zum Morgengebet in die Kirche. In der Vorhalle kommt ihm
plötzlich ein alter Mann entgegen. Er sagt zu ihm: »Du sollst
der neue Bischof von Myra sein! Gott sagte mir im Traum:
Der Mann, der am Ende der Nacht als erster die Kirche betritt,
soll der neue Bischof von Myra sein.«

Nikolaus zuckt zusammen: »Ich will beten. Ich will wie Jesus
den Armen helfen. Ich will Jesus dienen. Aber Bischof sein?
Nein!« »Du dienst Jesus,wenn du Bischof wirst«, sagt eine Stimme.
Plötzlich merkt Nikolaus, dass viele Menschen in der dunklen Kirche
sind. Sie haben die ganze Nacht gebetet und hier im Dunkeln auf den
neuen Bischof gewartet. Jetzt zünden sie Kerzen an.
Sie führen Nikolaus nach vorne zum Bischofsthron. Er lässt sich den
Bischofsmantel umlegen und den Bischofshut aufsetzen. Die Menschen
freuen sich und klatschen. Wieder einige Jahre später herrscht im Land
eine große Hungersnot. Die Hitze hat alles Korn verdorren lassen.
Die Menschen haben großen Hunger. Eines Tages fahren Schiffe,
schwer beladen mit Korn, in den Hafen ein. Gerne möchten die Menschen
den Schiffern das Korn abkaufen. Doch die Schiffer verkaufen nichts:
»Unser Dienstherr wird uns bestrafen, wenn wir nicht alles Korn zum
Zielhafen bringen«, so sagen sie. Da geht Bischof Nikolaus zum Hafen:
»Gebt den Menschen von eurem Korn. Gott selber wird eure Schiffe wieder
voll machen.« Die Schiffer sind skeptisch. Aber sie sehen die hungrigen
Menschen und geben schließlich von ihrem Korn ab. Bischof Nikolaus teilt
alles gerecht. Alle werden satt und die Felder können neu bestellt werden.
Die Schiffe sind später trotzdem voll beladen im Zielhafen angekommen.

Bischof Nikolaus

Der Hl. Nikolaus war Bischof von Myra.
Dementsprechend zeigen ihn historische
Abbildungen immer in seinem Bischofsgewand.
Und die Legenden berichten, dass die Menschen
schlussendlich in ihrem Nothelfer und Wohltäter
den Bischof Nikolaus erkannten.

Die Kleidung eines Bischof

Die Albe ist ein weißes, langes
„Untergewand“, das an das christliche
Taufkleid erinnert. Das Zingulum ist ein
geflochtener Gürtel, mit dem die Albe
am Bund zusammengehalten und in
Form gehalten wird.
Der Umhang ist ein weiter
Verspermantel, die „Ausgehkleidung“
eines kirchlichen Amtsträgers.
Die Mitra ist eine doppelspitzige, hohe
Mütze mit der Abbildung eines Kreuzes
und zwei auf die Schultern
herabfallenden, breiten Bändern.

Der Hirtenstab ist ein übermannshoher Stab
mit einer Krume (mit der der Hirte früher Schafe
am Hinterbein eingefangen hat). Dieser Stab
weist auf die Hirtenaufgabe eines Bischofs hin.
Mitra, Stab und Bischofsring sind die äußeren
Zeichen des Bischofsamtes.